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Gepostet by on Mai 22, 2017 in Ärgerliches, Kinder, Landau, Landauer Denkmäler, Satire | Keine Kommentare

Der Herr aller Bäder oder: Den Anordnungen des Bademeisters ist unbedingt Folge zu leisten

Montag nachmittag, die Sonne scheint, schönes Wetter – nicht zu warm, nicht zu kalt – also auf ins Schwimmbad. Hier bot sich auch eine gute Gelegenheit, eine Dauerkarte zu erwerben, weil es heute keine Schlange vor der Kasse gibt, denkt man sich und zieht los mit den Kids.Die jüngste lässt fürs Schwimmbad sogar die Tanzstunde sausen, was will man mehr.Auf die Frage nach der Dauerkarte bekomme ich ein Formular in die Hand gedrückt, das auszufüllen ich erst mal keine Lust hatte. Also mitnehmen und beim nächsten Besuch abgeben.

Schnell werden die Mädels umgezogen und eingecremt – was sich aus gegebenem Anlass heute kurz gestaltet – und los gehts ins Wasser. Der Papa will sich zur Beobachtung seiner teils seeuntüchtigen Kids erstmal neben das Becken setzen. Die am nächsten stehende Bank ist mit Handtüchern belegt, die nächste zu weit weg, um die Kids wirklich im Auge behalten zu können, aber zum Glück wurden zur neuen Badesaison 3 grüne bewegliche Plastikbänke angeschafft. Die stehen  – 2 direkt nebeneinander, die dritte Bank an der angrenzenden Seite – alle am Babybecken, das völlig leer ist. Also schnappe ich mir eine der drei unbenutzten Bänke, in der festen Absicht, sie nach Gebrauch wider an den alten Platz  und trage sie in Richtung des Nichtschwimmer-Beckens, wo meine Kleinste schon voller Freude durchs Becken strampelt.

Ich komme nicht weit, denn ein Bademeister kommt mir mit einem Herrn im gebügelten Hemd in Begleitung entgegen, die mich unisono auffordern, die Bank sofort wieder zurück zu stellen.

Gerade als ich zu erklären versuche, dass diese Bank, ebenso wie die zwei anderen, vor einem völlig leeren Planschbecken stehen, das Wetter heute nicht sehr heiß und daher ein spätnachmittäglicher Ansturm von Windel-Badehöschen tragenden Kleinkindern nicht mehr zu erwarten ist, die von ihren Eltern beaufsichtigt werden müssen, bekomme ich die zweite, diesmal vehementere Aufforderung, das Plastik-Möbelstück doch bitteschön unverzüglich und ohne weitere Worte an den alten Platz zurück zu stellen.

Ich halte kurz inne, werde gewahr, dass sich damit weiteres Reden erübrigt, vergleiche meinen im  Moment nicht durchtrainierten Körper mit dem des Bademeisters und komme  sogleich zum Schluss, das eine wie auch immer geartete Auseinandersetzung sowieso nicht sehr erfolgversprechend wäre. Also füge ich mich in mein Schicksal und trage die Bank, mein Buch noch immer in der Hand, wieder zurück. Als ich zurück kehre und den Bademeister nun allein vorfinde, frage ich noch nach dem Namen des Herrn aller Bäder und weiß nun, dass das der Herr Rost (oder ähnlich) war, der der Chef von allen Landauer Schwimmbädern ist. Auf die Frage, warum ich das wissen wolle, antworte ich ehrlich, dass man für eine Beschwerde oder einen Leserbrief den Namen desjenigen, über den man sich beschweren will, kennen sollte.

Ach, was soll ich mich beschweren. Meinen Mädels hat der Schwimmbad-Besuch gefallen, auch wenn die Kleine nach dem ersten Wassergang auf dem Handtuch einschlief. Lust auf eine Dauerkarte hab ich nun allerdings auch nicht und werde im  weiteren Verlauf des Sommers wohl vorziehen, ins benachbarte Schwimmbad  nach Offenbach zu fahren. Dort ist nicht nur die Liegefläche etwa doppelt so groß, sondern auch die Schwimmfläche. Ausserdem wird man dort angemessen, wenn nicht zuvorkommend als Badegast behandelt, obwohl es wegen der hohen Besucherfrequenz eigentlich gar nicht so nötig hätte wie Landau, das ausser der guten Erreichbarkeit (für Landauer Kernstädtler wie unsereiner) eigentlich nicht viel zu bieten hat. Kundenfreundlichkeit stünde den Bediensteten des Schwimmbads daher besonders gut. Aber der   „Herr aller Bäder“  wird sich denken, meine Bäder sind ja ohnehin seit langem stark defizitär, und was lange währt, soll man nicht ohne Not ändern.

Nachtrag: Es gibt im Dahner Felsenland einen Felsen mit Namen „Braut und Bräutigam“, ca.500m Luftlinie von  dem ehemaligen legendären Dahner Freibad entfernt. An diesem Felsen haben 2 Pfälzer Kletterer in den siebziger Jahren an einem heißen Tag einige Klettertouren absolviert. Danach wollten sie sich im nah gelegenen Freibad noch etwas Abkühlung verschaffen. Als sie gegen 18.00 Uhr im Bad eintrafen, überhitzt und nass geschwitzt, wurden sie vom Bademeister gemäß dem obigen Titel dieses Artikels belehrt (der Verfasser stand als Kind daneben). Sie durften aber noch duschen und sogar die Dusche mit dem eiskalten ungechlorten Wasser benutzen. Offenbar  nach einem ähnlichen Erlebnis mit dem örtlichen Bademeister – bedachten 2 andere Kletterer nach einer sog. Erstbegehung an eienm anderen Felsen, d.h. dem erstmaligen Durchklettern einer Felsroute – als hierzu berechtigte Erstbegeher dieser Tour – mit dem (früheren Badegästen nur zu vertrauten) Namen “ Die Badezeit ist nun zu Ende“. Unseren hiesigen Bademeister-Helden soll mit diesem Beitrag wenigstens ein kleines schriftliches Denkmal gesetzt werden. Das Dahner Freibad wurde übrigens in den achtziger Jahren geschlossen und stattdessen ein Spass- und Freizeit-Hallenbad errichtet, dass nur wegen des angeschlossenen riesigen Saunabereichs heute nicht mehr defizitär arbeitet. Aber die Kundenfreundlichkeit wird dort eben noch beachtet.

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