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Gepostet by on Okt 7, 2016 in Allgemein, Ärgerliches, Gerichtsurteil, Kommunalpolitik, Landau, Landauer Denkmäler, Wohnraum in Landau | Keine Kommentare

Eine Stadt – zwei Welten!

Während sich ein Teil der Landauer Bevölkerung mit so trivialen Dingen wie bezahlbarer Wohnraum oder dem Problem der Altersarmut auseinandersetzen, gibt es in Landau eine Klientel, die ganz andere Probleme umtreibt. Das bei dieser Gruppe die eigene Gewinnmaximierung im Vordergrund steht, ist in einem gewissen Maß noch nachvollziehbar, die Wege die dazu beschritten werden erscheinen manchen Beobachtern mehr als grenzwertig.

Einer, der sich ganz besonders darauf versteht mit der Nische, die er besetzt, den maximalen Benefit zu erzielen ist der Investor Thorsten Holch. Dabei legt er die Vorgaben des Denkmalsschutzes großzügig aus und begeht „Grenzüberschreitungen“ die im Sinne der Unterschutzstellung durchaus kritisch zu sehen sind. Einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangte die Restaurierung des „Deutschen Tors“ bei der die Stadt nicht zimperlich mit dem Ausschütten finanzieller Wohltaten war, was zahlreiche Landauer verärgerte. Der Streit um die Ausführung der Restaurierung ist bis heute nicht abgeschlossen, existiert doch ein gültiges Gerichtsurteil das den Rückbau einer Dachterrasse vorschreibt, bereits mehrere Jahre besteht, aber immer noch nicht umgesetzt ist.

Jetzt war Holch wegen des umstrittenen Umbaus des alten Generalstabs in der Eutzingerstraße in den Medien, wo eine verniedlichend „Freisitz“ genannte Stahlkonstruktion geradezu monströser Dimension die Ansicht des in 2007 denkmalgeschützten Bauwerks verstellt. Holch, der in der Vergangenheit mit der Vermarktung scheiterte, legte nach eigener Aussage einen „Plan B“ auf, um mit der werbewirksamen Umbenennung des Objekts in „Philosophengarten“ solvent Klientel zum Kauf einer hochpreisigen Immobilien im Generalstab selbst oder in den beiden Wurmfortsätzen in der Nachbarschaft zu animieren.

Jetzt hat die obere Denkmalbehörde die Aktivitäten zum Gegenstand eines „Ortsgesprächs“ gemacht. Ein Artikel zu der Veranstaltung erschien jüngst in der Tageszeitung „Die Rheinpfalz“ was mich zu dem folgenden Leserbrief animierte.

Da kann man nur verständnislos mit dem Kopf schütteln. Was ist ein Denkmalschutz wert, wenn er sich als Erfüllungsgehilfe zur Wertoptimierung eines bauernschlauen Investors missbrauchen lässt?

Alleine schon die Tatsache, eine völlig verkopfte, im Grunde überflüssige Diskussion über ein wertloses Allerweltsgebäude vom Zaun zu brechen, lässt Kenner der Landauer Verhältnisse in ein verzweifeltes Lachen ausbrechen. Holch, der gerne die Rolle des feingeistigen Philanthropen gibt, in Wirklichkeit allerdings eher der Spezies knallharter Kapitalist zugerechnet werden muss, schreckt nicht davor zurück Vorgaben großzügig zu seinen Gunsten auszulegen und Fakten zu schaffen. So unumstritten wie in dem Artikel dargestellt, ist Holch bei Geschäftspartnern und ernstzunehmenden Denkmalschützern keineswegs. Interessant wäre es zu wissen, was wohl der Kommunist Bloch dazu sagen würde, wüsste er für was und vor allem von wem sein Konterfei und sein Werk für Werbezwecke herangezogen werden. So jedenfalls hat sich Bloch die „Neue Stadt“ und deren Macher bestimmt nicht vorgestellt.

Wie in dem Artikel erwähnt wird, spricht Holch selbst vom „Plan B“ den er mit der Umwidmung des alten Generalstabs zum werbewirksam „Philosophengarten“ genannten Areal, verfolgt. Richtiger wäre es vom „Plan V“ zu sprechen, wobei das „V“ für Verzweiflung steht. Alle Versuche das Gebäude nach seiner Unterschutzstellung im Rahmen einer ausgewiesenen Denkmalzone zu vermarkten sind gescheitert. Zuletzt sollte der Generalsbau nach einer oberflächlichen Sanierung langfristig an die Landauer Polizei vermietet werden. Hier siegte die Vernunft, denn die öffentliche Hand wollte keine teure Altbausanierung sondern zog einen Neubau vor.

Die Idee zu der jetzt exekutierten Umsetzung des Projekts „Philosophengarten“ ist untrennbar mit einer Schlappe verbunden, die über Landau hinaus für Aufmerksamkeit sorgte. In 2012 stoppte der Landesrechnungshof den Verkauf von fast 5Hektar des angrenzenden Areals Estienne et Foch, jetzt bekannt als „Wohnpark am Ebenberg“, oder „ehemaliges Landesgartenschau Gelände“, inklusive diverser, natürlich denkmalgeschützter Gebäude, zum Schnäppchenpreis an Holch. Die damalige Stadtspitze musste heftig zurückrudern, was letztendlich in einer neuen Vermarktungsstrategie mündete. Die Stadt erzielt dadurch erhebliche Mehreinnahmen, während für Holch wohl die Welt zusammengebrochen sein muss. Die entgangene Wertschöpfung dürfte erheblich gewesen sein.

Interessanter Weise schmücken den Artikel nur Bilder vom relativ „naturbelassenen“ Innenhof mit der Vorfahrt. Die ausgesprochen brutale und von vielen Beschauern als gänzlich fehl am Platz empfundene Stahlkonstruktion auf der Ostseite des Gebäudes, von Holch verniedlichend „Freisitz“ genannt, wird nicht dargestellt, dabei ist diese der „Stein des Anstoßes“ und offenbart in exemplarischer Weise das geschickte Agieren des Investors Holch. Offensichtlich wurde im Rahmen der laufenden Arbeiten ein Paradigmenwechsel bei der Unterschutzstellung vollzogen, um die Freisitze genehmigungsfähig zu machen. Wie mir aus gut informierten Kreisen bekannt ist, bekam der Schutz der Bausubstanz eine höhere Priorität eingeräumt, als der Schutz einer Denkmalzone, wie in der Rechtsverordnung dargestellt, bei der die Außenansicht eine entscheidende Rolle spielt. Die Demontagefähigkeit, wie diese offensichtlich von der Landeskonservatorin Roswitha Kaiser hintergründig angesprochen wurde, ist ein Teil diese Plots.

Das Holch trotzdem in die jetzt eigentlich unantastbare  Bausubstanz eingriff, Fenster veränderte, die Traufhöhe nach Oben korrigierte, seine zinkblechverkleideten Monstergauben und Dachbalkone installiert, scheint beim Denkmalschutz niemanden zu interessieren.

So nimmt alles seinen gewohnten Lauf. Holch schafft Fakten und die Verantwortlichen bei Land und Stadt machen ihren Kratzfuß dazu. Verkehrte Welt? – Landauer Welt!

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