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Gepostet by on Dez 22, 2015 in Allgemein, Ärgerliches, Baum, Bürgerbeteiligung, Energie, Energiewende, Gelebte Demokratie, Klima, Landau, Verkehrspolitik, Windräder, Wirtschaft | Keine Kommentare

Klimademo zur Energiewende in Landau am 12.12.2015

Dezember 2015

Sehr geehrte Damen und herren,

Vorsicht! Wir sind allesamt „Ideologen“ und „Gutmenschen“, so jedenfalls titulieren uns alle, die unsere Klimastandpunkte nicht ausstehen können. Also Vorsicht mit uns! Unverbesserlich, wie wir nun mal sind, können und wollen wir uns einfach nicht vorstellen, dass das mit dem Weltklima, mit der Klimaungerechtigkeit, mit den steigenden Meeren, mit Dürren und Orkanen, mit dem wachsenden Strom von Klimaflüchtlingen einfach hinzunehmen ist. Vorsicht mit uns, die wir von dem Pariser Klimagipfel endlich eine weltweite Energiewende, eine konsequent und überprüfbar betriebene Energiewende verlangen.

Tja, da gibt es die handfesten Realpolitiker. Die sehen das anders, ganz anders. Die sagen: Was soll das, „Energiewende“? „Nur Wettbewerb führt zu neuen Lösungen“, meinte da jüngst der FDP-Politiker Wissing. Das heißt doch wohl – auch wenn´s nicht ausgesprochen wird – die bei uns begonnene und durchaus erfolgreiche Energiewende soll scheitern, kläglich scheitern, scheitern im fortdauernden Wettbewerb mit Kohle und Atom – ausgerechnet mit „Wettbewerbern“, die seit vielen Jahren Hunderte Milliarden an Subventionen nachgeworfen bekommen.

Genau solche Schnapsideen sind der immer noch lange Schatten, den Energiepolitiker wie Ronald Reagan, M. Thatcher und George W. Bush geworfen haben. Die führten eine Politik ein, die nicht nur ungebremst das Klima anheizt, sondern auch der Welt nur Katastrophen eingebracht hat und immer noch einbringt. Meine Frage: Brauchen wir diese „Kirchenväter“ und „Hohen Priester“ des Neoliberalismus immer noch in Zeiten, in denen nicht nur nie gekannte Flüchtlingsströme uns Aufgaben stellen, sondern auch an Weihnachten bereits Kirschbäume zu blühen beginnen?

Der Pfälzerwald und andere sensible Naturräume sollen frei bleiben von Windrädern. Das ist inzwischen hergestellter Konsens. Warum aber geht trotz alledem der Protest gegen die Windenergie immer noch weiter und weiter? Das macht einen denn doch stutzig. Versucht hier vielleicht doch eine knallharte Lobby von Klimaleugnern eine Roll-back-Politik durchzusetzen? – durchaus gegen eine große Mehrheit in der Bevölkerung?

Und da das offenbar so ist, wird es Zeit, dass alle „Ideologen“ und „Gutmenschen“ sich Mut machen mit dem Spruch:

Die Energiewende in ihrem Lauf                                                                               hält weder Ochs noch Esel auf.

„Ochs“ und „Esel“ arbeiten sehr diskret und unauffällig. Hinter ihnen steht nachweisbar die ganze Atom-, Öl- und Kohleindustrie – weltweit. So hat ein Fritz Vahrenholt – einst führend bei der Ölindustrie (Esso) – seine sog. „Wildtier-Stiftung“ gegründet. Er fordert ein „Moratorium“ für die Energiewende und versorgt besorgte Naturschützer mit Material. Material, mit dem sie als Bürgerwehren gegen die Energiewende durch die Lande ziehen.

Dieses Material ist dazu da, massenhaft Gefahren der Energiewende an die Wand zu malen für alles, was da kreucht und fleucht; assistiert von dem rauflustigen alten Baron zu Guttenberg, Vater des Abschreibers, der da behauptet, Rheinhessen sei unbewohnbar geworden – durch Windräder natürlich – wenn´s auch dort wirklich reicht.

Damit eines klar ist: Der Energiewende kann Kritik durchaus guttun, Fundamentalopposition aber ist verantwortungslos!!!

Es ist dieser Club oft recht alter Männer, der gegen die Energiewende zu Felde zieht mit dem Satz „Natur ist nicht verhandelbar“. Eigentlich klingt er gut, dieser Satz. Was aber ist mit „Natur“ eigentlich gemeint? Welche Natur ist gemeint?

  • Die Natur im Fensterblick meines wohltemperierten Eigenheims? Oder
  • die Natur, die spätestens meine Enkel nicht mehr haben werden? Weil sie verbrannt, verweht, weggeschwemmt ist – durch dann zur Normalität gewordene Extremwetterereignisse?Das war damals wirklich flächendeckende Naturzerstörung durch Raubbau und Gedankenlosigkeit! – dann aber überwunden durch einsetzende nachhaltige Forstwirtschaft. Nehmen wir doch nur einmal das Beispiel Roter Milan! Dieser Beutegreifer ist eine besonders beliebte Waffe im Kampf gegen die Energiewende und die Erneuerbaren Energien; massenhaft sollen diese armen Vögel von Windmühlen zerschreddert werden. Vogelmord überall! Wann aber hört man etwas von den selbsternannten Milanschützern zur Lebensraum zerstörenden „modernen“ Landwirtschaft? (Bald wird der Frühlingskünder Feldlerche verschwunden sein). Wann etwas von den rundum alles unerwünschte Grün vernichtenden Herbiziden? Wann etwas zu den Berge abhobelnden Straßenbauern? Da herrscht großes Schweigen im Walde. Jedenfalls: Politiker die jetzt plötzlich und zum ersten Mal ihre Liebe zur Natur entdecken, sind einfach nur lächerlich. Ja, es ist nicht für jeden ganz einfach, sich einen klaren Blick zu bewahren; zu leisten, was Rio 1992 uns allen aufgegeben hat: Global denken und lokal handeln. Am allmählich stotternden Zusammenspiel all dieser Klimaelemente zeigt sich die Verletzlichkeit unserer Erde. Es wird sichtbar, wo es die gutmütige Erde juckt, wenn es die Laus Mensch, die sie sich in den Pelz gesetzt hat, allzu arg treibt.Hierher gehört ein weiteres Beispiel, das einen stutzig macht, weil es einen erstaunen lässt, worüber sich die Leute aufregen und worüber sie sich leider nicht aufregen: Seit Wochen wird öffentlich dagegen gewettert, dass Forscher behaupten, Fleischkonsum erzeuge Krebs. Gut, darüber sollte schon einmal nachgedacht werden. Bemerkenswert für die Unsauberkeit, mit der Energiewendegegner argumentieren, ist ja auch ihr Hinweis, die Erneuerbaren würden gerade mal 2 % der benötigten Primärenergie anbieten. Dass sich Atomstrom in der gleichen Größenordnung bewegt, sagen Sie nicht. Und dass die Erneuerbaren bereits die 30-Prozentgrenze beim Strom erreicht haben, zu Spitzenzeiten sogar an die 80 Prozent herankommen, erwähnt man schon gar nicht.Im Hier und Jetzt unseres Lebens stehen in noch ganz anderen Bereichen Aufgaben an. Da ist der Verkehr auf den Straßen, auf dem Wasser und in der Luft. Da ist die energiezehrende Gebäudeheizung – privat, öffentlich und in der Industrie. Da sind die Energiefresser in den Haushalten, die immer mehr werden. Es ist unser ganzer Lebensstil, der auf Verschwendung und unterlassenes Nachdenken ausgelegt ist. Jeder von uns ist energetisch verführbar.  Besonders toll jedoch betreibt es ein gewisser Sigmar Gabriel. Der hat vor kurzem in aller Treuherzigkeit noch gesagt: „ . . . so was wie Hartz IV für Kraftwerke. Nicht arbeiten, aber Geld verdienen. Das geht nicht“. Genau das macht er jetzt – alten CO2-Schleudern zu liebe. Die Lobby hat mal wieder sauber gearbeitet – beim Formen einer recht plastischen Politikermasse. Die alten Braunkohlekraftwerke dürfen nun stillliegen und Milliarden verdienen. Als Reservekraftwerke taugen sie nicht, weil sie zum Anlaufen viele Tage brauchen würden. Aber energiepolitischen Fortschritt dürfen sie verhindern und vor allem die Strompreise dürfen sie erhöhen – aber das kann man ja wieder auf die Erneuerbaren schieben. So ist er halt, unser Energieminister. Mit solcher Wendehalspolitik ist unser Klima nicht zu retten. Alles Öl, alle Kohle, alles Gas, wofür längst milliardenschwere Förderrechte erworbenen worden sind, nicht in der Erde zu lassen, sondern gewinnträchtig zu verbrennen, das bedeutet Klimakatastrophe – das meiste davon in der Erde zu lassen und nicht zu verbrennen, das bedeutet Börsenkatastrophe, das bedeutet globalen Finanzcrash. Einziger Ausweg: Konsequenter Einstieg in den grünen Umbau des Energiesystems dieser Welt. Dieses sog. Divestment bringt Fahrt in die Elmauer Dekarbonisierungsrhetorik. Es gibt Schubkraft für den Klimagipfel. Es läuft bereits.Es geht dabei ja nicht nur um das Weltklima, es geht auch um Weltgerechtigkeit zwischen denen, die das Klima gefährden, und denen, die darunter zu leiden haben, es geht auch um den Weltfrieden und es geht um zukünftiges Flüchtlingselend. Schließlich und am Ende des Tunnels geht es ganz umfassend um Imanuel Kants Vision vom „Ewigen Frieden“.„Die Energiewende in ihrem Lauf / hält weder Ochs noch Esel auf“.Auch das Christkind und der Papst rufen:                CO2-Steuer jetzt!                                           Kontrollierter Ausstieg jetzt!
  •                            Subventionsabbau jetzt!
  • Klimaschutz jetzt!
  • Ochs und Esel, ihr könnt uns mal! Geht an die Krippe im Stall! Dort gehört ihr hin, dort könnt ihr keinen Schaden anrichten, dort sucht ein Flüchtlingskind Stallwärme; denn: Es weihnachtet sehr.
  • Die Zeiten grenzenloser Arroganz gegenüber Menschen, anderen Völkern und einer geduldigen Natur sind vorbei. Einfach untertan machen, das geht nicht mehr. Wirtschaftswachstum kann sich nicht alles folgenlos unterwerfen. Die Natur schlägt zurück, verachtete Völker schlagen zurück. Wachstum, das ist die Ideologie und das Schlechtmenschentum unseres Jahrhunderts. Widerlegbar und überwindbar ist das. Unmögliches zu fordern, war schon immer die realistischste Form des Realismus. Deshalb rufen wir unseren „Realpolitikern“ laut und vernehmlich noch einmal zu:
  • So gesehen: Vergesst die Tagespolitik! Das vordringlichere 1,5-Grad-Ziel wird vielleicht auf ganz anderen Pfaden erreichbar.
  • Dynamik kommt vielleicht von ganz woanders her: Versicherungen, die offensichtlich mehr Gespür für Klimarisiken haben als populismusgetriebene Politiker, ziehen mehr und mehr ihr Milliardenkapital heraus aus Kohle, Öl und Gas; nicht anders macht es die Rockefeller-Stiftung. Denn es dämmert nun immer öfter:
  • Die Widerstände gegen Nachdenken und Innehalten sind enorm. Man nehme nur unsere Vorliebe für Fernreisen! Oder: Die Treibstoff schluckenden SUV´s, die Macho-Monster-Autos, auch „Hausfrauenpanzer“ genannt – immer größer, immer schwerer und obendrein steuervergünstigt. Oder: Die deutsche Regierung, die Starrkrampf bekommt vom Wegsehen bei Tricks und Mogeleien der Autoindustrie. Vorneweg die Klimakanzlerin! Alle sind wir irgendwie Hans-Guck- in- die-Luft und übersehen den Abgrund – trotz Warnungen von 99,99 % aller Klimawissenschaftler.
  • Diese Größenverhältnisse zeigen jedoch eines: Konzentration alleine auf die Bereitstellung von elektrischem Strom greift zu kurz, wenn unser Wirtschaften nachhaltig werden soll:
  • Niemand jedoch scheint in dieser Debatte um übermäßigen Fleischkonsum einen einzigen Gedanken darauf zu verschwenden, dass die globale Fleischproduktion 15 % aller klimaschädlichen Gase hervorbringt. Dass wir mit unserem Lebensstil, hier mit unseren Essgewohnheiten, Klimapolitik betreiben. Dass für aufgeklärte Menschen wenigstens ein Innehalten beim Speiseplan empfehlenswert wäre.
  • Aber das lokale Handeln, das Handeln überall – und hier in Deutschland – ist´s, worauf es letztlich ankommt. Wie immer steckt auch hier der Teufel im Detail.
  • Wer global denkt, nimmt den Globus in den Blick, bedenkt Wirkungen und Wechselwirkungen, bedenkt Folgen, Sekundärfolgen, Tertiärfolgen; berücksichtigt Vorgänge des Sich-Aufschaukelns. So spielen etwa 10 globale Klimaelemente zusammen: 1) Die auftauenden Permafrostböden mit ihrem Methanausstoß, 2) Das Grönlandeis, das geschmolzen den Meeresspiegel um 7 Meter steigen lässt, 3) Der Nordatlantikstrom, der nicht abreißen darf, 4) Das arktische Meereis, das den Eisbären wegschmilzt, 5) Die Gletscherschmelze im Himalaya, Frischwasserversorgung für Millionen, 6) Die Klimaküche der tropischen Regenwälder, 7) Die Sahelzone, die mit Dürre und Überflutungen die Menschen zu Flüchtlingen macht, 8) Der zunehmend unberechenbare Indische Monsun, 9) Der Kohlenstoffspeicher der borealen Wälder und 10) Der gewaltige antarktische Eisschild.
  • Gerne ins Feld geführt werden auch die „Dollarzeichen in den Augen“ derer, die mit alternativer Energie Geld verdienen. Als sei in einer Marktwirtschaft Geldverdienen ein Skandal, als seien dezentrale Bürgerenergie, Energiegenossenschaften, Stadtwerke lauter Blutsauger, und als seien dagegen RWE, Eon, Vattenfall, Esso, BP, die Saudis und alle Schattenbanken dieser Welt uneigennützige Wohltäter wie terre des hommes, Brot für die Welt und der Weihnachtsmann.
  • Genauso wie vor 300 Jahren durch nachhaltiges Wirtschaften im Wald kann und muss heute Nachhaltigkeit der gesamten Weltwirtschaft das Klima retten. Dafür muss gekämpft werden; Nachhaltigkeit darf nicht bekämpft werden.
  • Haben unsere Naturfreunde nicht den jüngsten Waldschadensbericht gelesen? Meinen sie immer noch, dass man Klimawandel nicht zu bekämpfen braucht oder dass es ihn gar nicht gibt   – angesichts dessen, was immer heißere Sommer an sterbenskranken Bäumen anrichten? Die deutschen Seelen mit ihrer Affinität zum deutschen Wald (Joseph v. Eichendorff lässt grüßen) sollten sich doch einmal alte Merian-Stiche ansehen, wie unsere Mittelgebirge im 17. Jahrhundert ausgesehen haben!

Das war damals wirklich flächendeckende Naturzerstörung durch Raubbau und Gedankenlosigkeit! – dann aber überwunden durch einsetzende nachhaltige Forstwirtschaft.

Genauso wie vor 300 Jahren durch nachhaltiges Wirtschaften im Wald kann und muss heute Nachhaltigkeit der gesamten Weltwirtschaft das Klima retten. Dafür muss gekämpft werden; Nachhaltigkeit darf nicht bekämpft werden.

Nehmen wir doch nur einmal das Beispiel Roter Milan! Dieser Beutegreifer ist eine besonders beliebte Waffe im Kampf gegen die Energiewende und die Erneuerbaren Energien; massenhaft sollen diese armen Vögel von Windmühlen zerschreddert werden. Vogelmord überall! Wann aber hört man etwas von den selbsternannten Milanschützern zur Lebensraum zerstörenden „modernen“ Landwirtschaft? (Bald wird der Frühlingskünder Feldlerche verschwunden sein). Wann etwas von den rundum alles unerwünschte Grün vernichtenden Herbiziden? Wann etwas zu den Berge abhobelnden Straßenbauern? Da herrscht großes Schweigen im Walde. Jedenfalls: Politiker die jetzt plötzlich und zum ersten Mal ihre Liebe zur Natur entdecken, sind einfach nur lächerlich.

Gerne ins Feld geführt werden auch die „Dollarzeichen in den Augen“ derer, die mit alternativer Energie Geld verdienen. Als sei in einer Marktwirtschaft Geldverdienen ein Skandal, als seien dezentrale Bürgerenergie, Energiegenossenschaften, Stadtwerke lauter Blutsauger, und als seien dagegen RWE, Eon, Vattenfall, Esso, BP, die Saudis und alle Schattenbanken dieser Welt uneigennützige Wohltäter wie terre des hommes, Brot für die Welt und der Weihnachtsmann.

Ja, es ist nicht für jeden ganz einfach, sich einen klaren Blick zu bewahren; zu leisten, was Rio 1992 uns allen aufgegeben hat: Global denken und lokal handeln.

Wer global denkt, nimmt den Globus in den Blick, bedenkt Wirkungen und Wechselwirkungen, bedenkt Folgen, Sekundärfolgen, Tertiärfolgen; berücksichtigt Vorgänge des Sich-Aufschaukelns. So spielen etwa 10 globale Klimaelemente zusammen: 1) Die auftauenden Permafrostböden mit ihrem Methanausstoß, 2) Das Grönlandeis, das geschmolzen den Meeresspiegel um 7 Meter steigen lässt, 3) Der Nordatlantikstrom, der nicht abreißen darf, 4) Das arktische Meereis, das den Eisbären wegschmilzt, 5) Die Gletscherschmelze im Himalaya, Frischwasserversorgung für Millionen, 6) Die Klimaküche der tropischen Regenwälder, 7) Die Sahelzone, die mit Dürre und Überflutungen die Menschen zu Flüchtlingen macht, 8) Der zunehmend unberechenbare Indische Monsun, 9) Der Kohlenstoffspeicher der borealen Wälder und 10) Der gewaltige antarktische Eisschild.

Am allmählich stotternden Zusammenspiel all dieser Klimaelemente zeigt sich die Verletzlichkeit unserer Erde. Es wird sichtbar, wo es die gutmütige Erde juckt, wenn es die Laus Mensch, die sie sich in den Pelz gesetzt hat, allzu arg treibt.

Aber das lokale Handeln, das Handeln überall – und hier in Deutschland – ist´s, worauf es letztlich ankommt. Wie immer steckt auch hier der Teufel im Detail.

Hierher gehört ein weiteres Beispiel, das einen stutzig macht, weil es einen erstaunen lässt, worüber sich die Leute aufregen und worüber sie sich leider nicht aufregen: Seit Wochen wird öffentlich dagegen gewettert, dass Forscher behaupten, Fleischkonsum erzeuge Krebs. Gut, darüber sollte schon einmal nachgedacht werden.

Niemand jedoch scheint in dieser Debatte um übermäßigen Fleischkonsum einen einzigen Gedanken darauf zu verschwenden, dass die globale Fleischproduktion 15 % aller klimaschädlichen Gase hervorbringt. Dass wir mit unserem Lebensstil, hier mit unseren Essgewohnheiten, Klimapolitik betreiben. Dass für aufgeklärte Menschen wenigstens ein Innehalten beim Speiseplan empfehlenswert wäre.

Bemerkenswert für die Unsauberkeit, mit der Energiewendegegner argumentieren, ist ja auch ihr Hinweis, die Erneuerbaren würden gerade mal 2 % der benötigten Primärenergie anbieten. Dass sich Atomstrom in der gleichen Größenordnung bewegt, sagen Sie nicht. Und dass die Erneuerbaren bereits die 30-Prozentgrenze beim Strom erreicht haben, zu Spitzenzeiten sogar an die 80 Prozent herankommen, erwähnt man schon gar nicht.

Diese Größenverhältnisse zeigen jedoch eines: Konzentration alleine auf die Bereitstellung von elektrischem Strom greift zu kurz, wenn unser Wirtschaften nachhaltig werden soll:

Im Hier und Jetzt unseres Lebens stehen in noch ganz anderen Bereichen Aufgaben an. Da ist der Verkehr auf den Straßen, auf dem Wasser und in der Luft. Da ist die energiezehrende Gebäudeheizung – privat, öffentlich und in der Industrie. Da sind die Energiefresser in den Haushalten, die immer mehr werden. Es ist unser ganzer Lebensstil, der auf Verschwendung und unterlassenes Nachdenken ausgelegt ist. Jeder von uns ist energetisch verführbar.

Die Widerstände gegen Nachdenken und Innehalten sind enorm. Man nehme nur unsere Vorliebe für Fernreisen! Oder: Die Treibstoff schluckenden SUV´s, die Macho-Monster-Autos, auch „Hausfrauenpanzer“ genannt – immer größer, immer schwerer und obendrein steuervergünstigt. Oder: Die deutsche Regierung, die Starrkrampf bekommt vom Wegsehen bei Tricks und Mogeleien der Autoindustrie. Vorneweg die Klimakanzlerin! Alle sind wir irgendwie Hans-Guck- in- die-Luft und übersehen den Abgrund – trotz Warnungen von 99,99 % aller Klimawissenschaftler.

Besonders toll jedoch betreibt es ein gewisser Sigmar Gabriel. Der hat vor kurzem in aller Treuherzigkeit noch gesagt: „ . . . so was wie Hartz IV für Kraftwerke. Nicht arbeiten, aber Geld verdienen. Das geht nicht“. Genau das macht er jetzt – alten CO2-Schleudern zu liebe. Die Lobby hat mal wieder sauber gearbeitet – beim Formen einer recht plastischen Politikermasse. Die alten Braunkohlekraftwerke dürfen nun stillliegen und Milliarden verdienen. Als Reservekraftwerke taugen sie nicht, weil sie zum Anlaufen viele Tage brauchen würden. Aber energiepolitischen Fortschritt dürfen sie verhindern und vor allem die Strompreise dürfen sie erhöhen – aber das kann man ja wieder auf die Erneuerbaren schieben. So ist er halt, unser Energieminister. Mit solcher Wendehalspolitik ist unser Klima nicht zu retten.

Dynamik kommt vielleicht von ganz woanders her: Versicherungen, die offensichtlich mehr Gespür für Klimarisiken haben als populismusgetriebene Politiker, ziehen mehr und mehr ihr Milliardenkapital heraus aus Kohle, Öl und Gas; nicht anders macht es die Rockefeller-Stiftung. Denn es dämmert nun immer öfter:

Alles Öl, alle Kohle, alles Gas, wofür längst milliardenschwere Förderrechte erworbenen worden sind, nicht in der Erde zu lassen, sondern gewinnträchtig zu verbrennen, das bedeutet Klimakatastrophe – das meiste davon in der Erde zu lassen und nicht zu verbrennen, das bedeutet Börsenkatastrophe, das bedeutet globalen Finanzcrash. Einziger Ausweg: Konsequenter Einstieg in den grünen Umbau des Energiesystems dieser Welt. Dieses sog. Divestment bringt Fahrt in die Elmauer Dekarbonisierungsrhetorik. Es gibt Schubkraft für den Klimagipfel. Es läuft bereits.

So gesehen: Vergesst die Tagespolitik! Das vordringlichere 1,5-Grad-Ziel wird vielleicht auf ganz anderen Pfaden erreichbar.

Es geht dabei ja nicht nur um das Weltklima, es geht auch um Weltgerechtigkeit zwischen denen, die das Klima gefährden, und denen, die darunter zu leiden haben, es geht auch um den Weltfrieden und es geht um zukünftiges Flüchtlingselend. Schließlich und am Ende des Tunnels geht es ganz umfassend um Imanuel Kants Vision vom „Ewigen Frieden“.

Die Zeiten grenzenloser Arroganz gegenüber Menschen, anderen Völkern und einer geduldigen Natur sind vorbei. Einfach untertan machen, das geht nicht mehr. Wirtschaftswachstum kann sich nicht alles folgenlos unterwerfen. Die Natur schlägt zurück, verachtete Völker schlagen zurück. Wachstum, das ist die Ideologie und das Schlechtmenschentum unseres Jahrhunderts. Widerlegbar und überwindbar ist das. Unmögliches zu fordern, war schon immer die realistischste Form des Realismus. Deshalb rufen wir unseren „Realpolitikern“ laut und vernehmlich noch einmal zu:

„Die Energiewende in ihrem Lauf / hält weder Ochs noch Esel auf“.

Ochs und Esel, ihr könnt uns mal! Geht an die Krippe im Stall! Dort gehört ihr hin, dort könnt ihr keinen Schaden anrichten, dort sucht ein Flüchtlingskind Stallwärme; denn: Es weihnachtet sehr.

Auch das Christkind und der Papst rufen:

Klimaschutz jetzt!

               CO2-Steuer jetzt!

                           Subventionsabbau jetzt!

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