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Gepostet by on Nov 16, 2013 in Landauer Denkmäler | 1 Kommentar

DER LANDAUER LÖWE

Ein Denkmal, von den Landauern geliebt, doch nicht erkannt

Viele Landauer lieben ihren Löwen, aber viele haben ihn nicht erkannt. Sie kennen ihn vermeintlich geschichtlich als Bayerischen Löwen, sie nehmen ihn als ideologiefreies Soldaten- und Gefallenendenkmal oder sie heißen ihn euphemistisch – verharmlosend und beschönigend – ihren Muschelkalklöwen.

In dem von unserer Stadt herausgegebenen Buch „Landau und der Nationalsozialismus“ wird das Löwen-Denkmal vor dem Deutschen Tor in einem gesonderten Kapitel durch den Kunsthistoriker Christmut Präger abgehandelt und kritisch bewertet.

Das sieben Meter aufragende Denkmal wurde von dem Münchener Bildhauer Bernhard Bleeker, der viele Soldatendenkmäler und u.a. auch eine Hitler-Büste geschaffen hat, entworfen. Der Löwe ist unnatürlich überlebensgroß und steht machtvoll hochaufgereckt. Sein Haupt mit den starken Eckzähnen im geöffneten Maul ist gen Westen gerichtet. Der überdimensionierte Stufensockel trägt die Inschrift „Deutscher Wehr zur Ehr“.

Die Einweihung am 2. August 1936 , in dem Jahr der Wiedereinrichtung der Landauer Garnison, wurde mit Feiern, Ansprachen von Veterangeneral und Parteiführer sowie mit Aufmärschen der Wehrmacht und der nationalsozialistischen Formationen pompös inszeniert.

Christmut Präger nennt den Landauer Löwen „ein Beispiel nationalsozialistischer Kriegstoten-Ehrung“ und führt dann weiter aus, dass die nationalsozialistischen Machthaber „die Volksgenossen auf die Notwendigkeit des Zweiten Weltkriegs“ vorbereiten und einstimmen wollten – eines Krieges, der Tod und Verderben über die Deutschen und viele Völker bringen und 1945 den deutschen Nationalstaat zerstören sollte. Der Landauer Maler Heinrich Strieffler, ein national-konservativ denkender Mann, entwarf zur Einweihung eine „Offizielle Feldpostkarte“, die einen aggressiv übersteigerten Löwen vor dem mit Hakenkreuzfahnen beflaggten Deutschen Tor zeigt.

Nach Chistmut Prägers Meinung ist am Löwen-Denkmal „unbedingt eine Informationseinheit erforderlich – analog (Schrifttafel oder Bodenplatte) und digital (fest installierter Bildschirm)“. Als Schlussfolgerung soll man das Motto gewinnen: „Niemals vergessen – und darüber reden“.

Oberbürgermeister Schlimmer tritt dafür ein, den Landauer Löwen durch entsprechende Maßnahmen zu einem „Denk-Mal“ zu gestalten.

Anmerkung: Die Zitate aus dem Buch „Landau und der Nationalsozialismus“ sind in Anführungszeichen gesetzt.

Dumröse, Ernst/ 16.11.2013

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1 Kommentar

  1. Ein sehr begrüßenswerter Artikel!
    Es stimmt mich nachdenklich,das der Autor schreibt die Landauer verkennen den geschichtlichen Hintergrund dieser Statue.Erstens finde ich es schlimm, das die Menschheit immer noch nicht von selbstzerstörerischen Handlungen(wie Krieg und Terror)läßt und daran erinnert mich jede Opfergedenkstätte oder Mahnmal.Ich war erst kurze Zeit in die Innenstadt gezogen, als ich im Gespräch mit anderen Bürgern den geschichtlichen Hintergrund dieses Löwen erklärt bekam (also wissen doch einige darum).Und so schlecht scheint es um die kritische Auseinandersetzung mit der schrecklichen Vergangenheit auch nicht zu stehen,wenn die Stadt einem Autor bei der Veröffentlichung seines Buches zur Seite steht um gegen das Vergessen aktiv tätig zu sein.Wie lange will man denn nun schon eine Tafel anbringen?
    Aber nur mea culpa zu rufen ist nicht genug.Wir müssen auch unsere Politiker dazu anhalten jeder totalitären Tendenz (zur Not auch bei Bündnispartner)entgegenzutreten.Bis hin zur Wahrung von Datenschutz und Persönlichkeitsrechten in unserem Land.
    Sonst kann durch Machtmißbrauch jederzeit schreckliches über Menschen hereinbrechen.

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